Volleyball als Kino-Erlebnis

VON JÜRGEN SCHOTT

Es gibt einen Filmklassiker: „Die Artisten in der Zirkuskuppel – ratlos“. Eine Hauptrolle in einem möglichen Remake des 1968er-Streifens von Alexander Kluge hätte am Sonntag Manuel Wolz einnehmen können, der Trainer der Volleyball-Damen des BSV 98 Bayreuth. Nicht als Artist, sondern mit der Eigenschaft ratlos.

„Ich dachte, wir wären auf einem guten Weg, wieder so stark zu werden wie in der Vorsaison“, sagte der Coach des Vizemeisters nach dem 1:3 (16:25, 25:17, 21:25, 26:28) in der Bayernliga gegen den TV/DJK Hammelburg. Falsch gedacht. Vielmehr erst einmal Ratlosigkeit, warum sein Team nach drei Erfolgen in den letzten vier Spielen wieder mal leer ausgegangen war, dabei auch schlecht gespielt hatte und in der Tabelle auf Rang sechs festsitzt, wo doch der Sprung auf den vierten Platz möglich war.

Anfangs gab es die Vermutung, die Bayreutherinnen (ohne die kranke Alexandra Soloninkin) seien eben keine Frühaufsteherinnen, denn sie verschliefen förmlich den Start in die um 11.30 Uhr begonnene Partie. Bei 7:14 gab es schon den zweiten Weckruf (=Auszeit) durch Wolz. Besser wurde es zunächst nicht – bis zum 3:8 im zweiten Durchgang. Dann die Initialzündung durch gute Aktionen von Ronja Meyer und der eingewechselten Nina Baldini. Bei 9:9 waren die Gastgeberinnen wieder gleichauf, die bei 14:13 eroberte Führung gaben sie nicht mehr her, Satzausgleich, also doch keine Schlafmützen.

Eher Spätstarterinnen: 13:8 lag Bayreuth nämlich im folgenden Abschnitt vorn. Wurden die Unterfränkinnen nun müde? Schließlich hatten sie am Vorabend gespielt (und beim Tabellenzweiten TSV Rottenberg 0:3 verloren). TV-Trainerin Ipek Akinci dosierte aber die Kräfte ihrer Damen gut, hatte in der Startformation für Bayreuth nur drei, die auch am Samstag begonnen hatten, darunter Diagonalangreiferin Tabea Lang, die aber in Rottenberg später eineinhalb Sätze Pause bekommen hatte. Das tat ihr offenbar gut, Lang war vom BSV selten zu stoppen, den Rest der Hammelburger Punkte machte überwiegend Bayreuth selbst, etwa mit Aufschlagfehlern zum ungünstigsten Zeitpunkt. „In unseren guten Zeiten hat fast jede Spielerin mit dem Service gepunktet; jetzt sind wir froh, wenn wir beim Aufschlag keinen Fehler machen“, wunderte sich Manuel Wolz.

So machte seine Mannschaft in Satz drei nach dem erwähnten 13. Punkt bei eigenem Service gar keinen mehr und gab das Spiel aus der Hand. Als der Schiedsrichter auch noch eine offensichtliche Ballberührung des TV-Blocks nicht sah, hieß es 17:19 statt 18:18. Lang sorgte mit einem Lob – auch das kann sie – für die 2:1-Satzführung der Gäste.

Ein Tiebreak bahnte sich dennoch an, als der BSV im vierten Abschnitt 22:19 führte und trotz dreier Zähler des Gegners in Folge dann bei 24:22 und 25:24 drei Satzbälle hatte. Langs nächster Schmetterschlag, ein Block gegen Egle Stakeliunaite und noch ein Ball von Lang, der vom Bayreuther Block ins Aus flog – Hammelburg gab nicht klein bei und nutzte seinerseits den zweiten Matchball, als Britta Schneider den Ball ins Seitenaus spielte.

Wolz‘ Erkenntnis nach der Phase der Ratlosigkeit: „Das war ein herber Rückschlag. Es hat in allen Bereichen des Spiels gehakt, Ich kann und will das Ergebnis nicht an einzelnen Personen festmachen, alle haben enttäuscht – vielleicht mit Ausnahme von Nina Baldini, die vorübergehend Stabilität hineinbrachte, und Britta Schneider, die in ihrem ersten Bayernligajahr Welpenschutz genießt. Wir dürfen keine Ausreden suchen, müssen weiter an den eigenen Fehlern arbeiten.“

Der Trainer hat nun dafür etwas Zeit. Die nächsten Spiele stehen erst am 17./18. Januar an. Dann soll der Run auf den Erfolg beginnen. Es muss ja nicht ein „Goldener Löwe“ herausspringen, wie ihn einst Kluge für seine  „ratlosen Artisten“ bei den Filmfestspielen von Venedig bekam.

Dieser Text beim Nordbayerischen Kurier im Internet (aber hinter einer Paywall)